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THE GATHERING OF THE TRIBES

Wesentlich ist immer wieder die Weiterentwicklung eines Verständnisses, das kulturelle und politische Ansätze ganzheitlich miteinander verbindet.

Ein derartiges Verständnis kommt im Connecta-Konzept zum Ausdruck, das auf der Verbindung von „Music, Mind and Politics“ basiert. Dabei fließen neben dem musikalischen Programm vielfältige Elemente in die entsprechenden Events ein, darunter Workshops, Sessions, Diskussionen und Filmvorführun-gen, sowie auch politische Informationen und Aktionen. Das Konzept bricht die zumeist vorherrschende Konsumhaltung auf, indem es Möglichkeiten der aktiven Teilnahme bietet. Es fördert reflektierende Auseinandersetzungen und kritisches Engagement, wobei es gleichzeitig der hedonistischen und kreati-ven Entfaltung einen großen Raum gibt.

Das Connecta-Konzept spiegelt sich in den aktuellen „Gathering of the Tribes“-Festivals, die wiederum auf eine vielschichtige Tradition zurückblicken. Im Grunde zieht sich die Idee der Stammestreffen durch alle Zeiten. Sie reicht von den Treffen der ursprünglichen indigenen Stämme über die psychedelischen Gatherings der Hippies bis zu den gegenkulturellen Events der Cybertribes.

Das „Gathering of the Tribes“ in Frankfurt am Main begann 2005 als jährliches Goa-Festival und verkörperte dabei die kreativen Seiten der Szene wie auch deren Stagnation. Nach zwei Jahren öffnete es sich und knüpfte an die „Join the Cybertribe“-Festivals an, die Jahre zuvor im Mainzer Signalwerk im Sinne des Connecta-Konzeptes stattgefunden hatten. Hinsichtlich seiner Entwick-lung kann das Gathering beispielhaft für eine innovative Perspektive der Psy-Trance-Szene sein.

Zum Programm der Gatherings gehörten Podiumsgespräche zu den Wurzeln der psychedelischen Kultur und zum Verhältnis von Party und Politik. Ange-regt wurden dadurch notwendige Diskussionen, die ansonsten auch in alterna-tiven Party-Szenen kaum stattfinden. Weitere wesentliche Bestandteile waren ein Kinderfest am Nachmittag und die Vorstellungen von Cybertribe-Projekten, welche die sonst auf Festivals übliche Fokussierung auf DJs aufbrachen.

Das meist von den Space Frogz konzipierte Musikprogramm beinhaltete neben Psy-Trance-DJs und Electro-Acts auch politische Rock-Bands und experimentelle Ambient-Projekte. Der Playground bot im Sinne von „Be your own live-act!“ offene Trommel- und Jonglage-Sessions an. Ausstellungen zeigten Fotos von Reclaim-the-Streets-Aktionen, daneben informierten Video-Dokumentationen über Hausbesetzungen und den Widerstand gegen die neo-liberale Globalisierung. Workshops wurden unter anderem zu den Bereichen Trance-Tanz und Meditation angeboten. Zudem gab es Angebote zur Förderung von Drogenmündigkeit, die durch das Alice-Project koordiniert wurden.

Die Verbindung von „Music, Mind and Politics“ rundete eine spontane Nacht-Tanz-Demonstration mit mobilen Soundsystemen durch die Frankfurter Innenstadt ab. Unter dem Motto „Free Tibet - No Gods, No Masters!“ richtete sie sich gegen diktatorische Herrschaftssysteme genauso wie gegen feudal-religiöse Weltbilder.

Die Gatherings der Cybertribes in ihren vielfältigen Ausprägungen zeigen deutlich, was alles möglich ist, wenn Freiräume eröffnet werden, die sich nicht länger auf eine Szene beschränken, sondern sich als Ausdruck einer vielfälti-gen Kultur der Veränderung verstehen. Die symbolhaften Sterne werden in diesem Sinne erreichbar, wenn es gelingt, die Vision einer anderen Welt in der Realität der Gegenwart zu leben.

Wolfgang Sterneck
www.gatheringofthetribes.de
www.sterneck.net/gathering

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