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LADYFESTE

Vom Riot Grrrl zur Lady

Die Wurzeln der Ladyfeste sind in der Riot Grrrl-Bewegung zu finden, die Anfang der 1990er Jahre eine popkulturelle und feministische Bewegung junger Frauen war, die ihr ‚Mädchen-Sein' offensiv mit Forderungen nach Sichtbarkeit und Respekt verbanden. Diese Bewegung war in den USA um einiges politischer präsent, als ihr kommerzieller Import nach Europa, zu dem man nur das Stichwort ‚Girlie' nennen muss.

Hierzu ein Auszug aus dem Riot Grrrl Manifest: "WEIL es für uns Mädchen einfacher werden soll, unsere Arbeiten zu hören/sehen, damit wir uns unsere Strategien teilen und uns gegenseitig kritisieren/applaudieren können. WEIL wir die Produktionsmittel übernehmen müssen, um unsere eigenen Bedeutungen zu kreieren. WEIL wir Wege finden wollen, wie wir antihierarchisch sein und Musik machen, Freundschaften und Szenen entwickeln können, die auf Kommunikation und Verständnis basieren und nicht auf Konkurrenz und Kategorisierungen von Gut und Böse. WEIL wir Kapitalismus in all seinen Formen hassen und weil es unser zentrales Ziel ist, Informationen zu teilen und wir nicht den herrschenden Standards entsprechend nur Geld machen oder cool sein wollen."

Aus dieser Idee, solidarisch unter Frauen bzw. Mädchen Musik zu machen und sich ein Möglichkeit der Repräsentation zu schaffen, entstand 2000 das erste Ladyfest in Olympia (USA). Hierfür wurde sich jedoch vom Begriff ‚Girl' bzw. ‚Grrrl' verabschiedet und der Versuch unternommen, sich den Begriff ‚Lady' anzueignen bzw. umzudeuten. Man bedenke dabei nur die Schwierigkeit, dies im Deutschen zu tun: wer von uns möchte sich schon gerne ‚Dame' nennen? Gibt es eine Möglichkeit, die patriarchale und bürgerliche Vergangenheit dieses Begriffs zu negieren? Somit verbleiben wir beim englischen ‚Lady', dem zwar auch ähnliche Konnotationen anhängen, jedoch auch Respekt gegenüber der Person einfordert und eine gewisse Souveränität der Person voraussetzt. Im Kontext der Ladyfeste wird im Begriff ‚Lady' auch von biologisierenden Zuschreibungen Abstand genommen. So ist ein Motto, das sich nahezu bei jeder Veranstaltung finden lässt: "What ever your gender may be - if you feel like a Lady, be part of the Ladyfest." (Was immer deine Geschlechtsidentität sein mag - wenn du dich wie eine Lady fühlst, nimm teil am Ladyfest.)

Fast explosionsartig hat sich die Idee in Europa verbreitet. Seit 2003 finden auch in Deutschland Ladyfeste statt. Der Anspruch reicht von Frauenförderung und networking im kulturschaffenden, politischen und theoretischen Bereich bis hin zu einfach Party machen. Dahinter steckt die Idee, eine feministische Veranstaltung offen und attraktiv für alle Geschlechter zu machen und damit feministischen Politiken einen Raum zu geben. Trotz dem expliziten Bezug auf die Kategorie ‚Frau' soll jedoch mit der Verwendung des Begriffs ‚Lady' kein Ausschluss von Transgenders oder anderen Meschen stattfinden, die sich von der feministischen Selbstbezeichnung als ‚Lady' angesprochen fühlen. Stattdessen kann eine Auseinandersetzung damit stattfinden, was ‚weiblich' ist, welche Klischees von ‚Weiblichkeit' wir ablehnen, wo wir aber vielleicht eine Verteidigung gegen ‚männliche' Standards für sinnvoll halten. Diese Ambivalenz zwischen einem Essentialismus, der die Körper, mit denen wir geboren werden als wertvoll annimmt und einer Dekonstruktion, die keine Schwäche den Körpern, sondern einer uns verletzenden Gesellschaftsformation zuschreibt, mit dieser Ambivalenz gilt es mit der Zuschreibung ‚Lady' umzugehen.

(.....)

Ladyfest Frankfurt
www.copyriot.com/ladyfest/docs/ladyfest.htm
www.myspace.com/ladyfestfrankfurt

Weitere Infos unter:
www.ladyfest.org
www.myspace.com/ladyfesteurope

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Wenn nur
EIN Mädchen
nachdem sie auf
dem Ladyfest war,
beschließt,
eine Band zu gründen,
zu schreiben oder
zu malen,
dann ist doch schon
was gewonnen.

Wenn nur
EIN Mädchen
gestärkt und
voller Selbstvertrauen
vom Ladyfest zurückkommt,
und diese Kraft
an all ihre
Freundinnen weiter gibt,
und diese wiederum an andere,
dann ist das schon super.

(Ladyfest-Veranstalterin Hamburg)

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