Home   |   Alice   |   Tour   |   Party-Politics   |   Drogen   |   Hilfe   |   Schule   |   Art   |   English
 
   



RECLAIM THE STREETS

"Wenn ich nicht tanzen kann, dann ist es nicht meine Revolution" soll in den zwanziger Jahren die Anarchistin Emma Goldmann einmal sinngemäß verkündet haben. Mit einem gewissen Augenzwinkern bezieht sich bis heute der politische Party-Underground gerne auf diese Aussage.

Insbesondere die "Reclaim the Streets"-Aktionen in den Metropolen zeigen nachdrücklich, dass es durchaus möglich ist, die so oft als unvereinbar beschriebenen Gegensätze von Politik und Party sinnvoll miteinander zu verknüpfen. DJ-Sets sind genauso wie bunt gestaltete Transparente ein fester Bestandteil dieser politischen Straßenpartys, die lautstark durch die Innenstädte ziehen.

Weit über das Konzept traditioneller Demonstrationen hinausgehend, sollen die Aktionen nicht nur der trockenen Wiedergabe linker Positionen entsprechen. Vielmehr geht es um die lustvolle Manifestation eines alternativen Lebensgefühls und einer vielfältigen Gegenkultur.

Es sind Demos, die auch Spaß machen. Demos, bei den nicht nur der Kopf sagt, Du musst für oder gegen Irgendetwas auf den Straßen demonstrieren, sondern vielmehr Demos, die aus einer getanzten, positiven Energie heraus für Veränderung eintreten.

Für eine kurze Zeit gelingt es dabei immer wieder den kommerzialisierten öffentlichen Raum zurückzuerobern und mit neuem Leben zu erfüllen. Doch zumeist dauert es nicht lange und die schrägen Beats vermischen sich mit den Sounds der anrückenden Wasserwerfer, während die fröhlich tanzenden Party-Freaks von Polizisten in Kampfanzügen umkreist werden. Ein symbolhaftes Bild, das ohne ein Wort zu benötigen die herrschenden Realitäten bitter entlarvt.

Wolfgang Sterneck
- * -