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DIE TEMPORÄRE AUTONOME ZONE


Wir verfügen über eine vielfältige Festkultur, die der Aufmerksamkeit der Möchtegernmanager unserer Muse entzogen und verborgen bleibt. ”Fight for the right to party” ist in der Tat keine Parodie auf den radikalen Kampf, sondern eine neue Manifestation dessen.

Die ”Stammeszusammenkünfte” der sechziger Jahre, die Waldkonklaven von Öko-Saboteuren, das idyllische keltische Maifest Beltane der Neuen Heiden, anarchistische Konferenzen, schwule Märchenzirkel, ... - Wir sollten verstehen, dass all diese in gewisser Weise bereits ”befreite Zonen” waren, zumindest potentielle Temporäre Autonome Zonen (TAZ) sind. Egal ob die Party nun für ein paar FreundInnen gestaltet war, wie im Falle einer Dinner Party, oder für tausende von Feiernden, wie bei einem Be-In. Solch eine Party ist immer ”offen” - sie mag geplant sein, wenn sie sich aber nicht ”ereignet”, dann ist sie ein Fehlschlag. Das Element der Spontanität ist entscheident.

Das Wesentliche der Party: von Angesicht zu Angesicht. Eine Gruppe von Menschen agiert synergetisch, um die Wünsche des Einzelnen zu befriedigen, entweder die nach gutem Essen oder Vergnügen, Tanz, Konversation, Lebenskunst, vielleicht sogar die nach erotischem Vergnügen oder nach Vollendung eines gemeinsamen Kunstwerkes oder auch nach Seligkeit, kurz, eine ”Union von Egoisten” (laut Stirner) in ihrer einfachsten Form oder aber, im Sinne Kropotkins, eine grundlegende Triebkraft in Richtung ”gegenseitiger Hilfe”.

Die TAZ ist eine Taktik in einer Zeit, da der Staat omnipräsent und allmächtig ist und dennoch zugleich Risse und Leerstellen zeigt. Die TAZ ist ein Mikrokosmos des ”anarchistischen Traumes” einer freien Kultur. Die TAZ kann ein Gebiet (Land, Zeit, Imagination) heimlich ”besetzen” und eine ganze Weile in Ruhe ihren freudigen Zwecken nachgehen. Bestimmte kleine TAZen haben ewig existiert, da sie unbemerkt blieben, da sie sich nie mit dem Spektakel kreuzten, niemals jenseits jenes realen Lebens erschienen, das den Agenten der Simulation unsichtbar ist.

Breite eine Landkarte aus, darüber eine Karte der politischen Veränderung; darüber eine Karte des Netzes, besonders des Gegen-Netzes mit der Hervorhebung ansonsten verborgener Informationsströme und Logistik - und breite zum Schluß dann, über alles, die Karte der kreativen Imagination, Ästhetik und Werte im Maßstab 1:1. Das entstehende Gitter wird lebendig, animiert von unerwarteten Energiewirbeln und -strömen, Lichteruptionen, geheimen Tunneln, Überraschungen.

Hakim Bey

Auszug aus: Hakim Bey / Die Temporäre Autonome Zone